Als Teenager habe ich eine Zeitlang stundenlang n-tv geschaut, im Wesentlichen zum Selbstzweck, um u. a. die aktuellen Börsenkurse im durchlaufenden Ticker zu lesen. Waren die Zahlen grün, freute ich mich. Das alles gab mir ein Gefühl, wichtig zu sein und an der Welt teilzuhaben. Natürlich war es sinnlos.
Was mir bis vor einigen Wochen davon blieb, war ein generelles Interesse am Tagesgeschehen (noch eher am Wochengeschehen -> DIE ZEIT), bei gleichzeitig steigender Zahl an Themen, die mir zum Halse heraushingen. Das Buch “4-Hour Work Week” hat mir endlich die Augen geöffnet und mich in einem sehr subtilen Gefühl bestätigt, das ich schon seit einiger Zeit hatte.
Most information is time-consuming, negative, irrelevant to your goals and outside of your influence.
Bürger und Medienkonsumenten werden mit überflüssigen Nachrichten wie Gänse gestopft. Zeitungen, Fernsehsender, Internetportale, Radio, sogar Infomonitore in meinem Fitnessstudio versorgen mich mit Neuigkeiten, die mich weder etwas angehen, noch je mehr als Unterhaltungswert besitzen (meistens sind sie langweilig), und an denen ich darüber hinaus ohnehin nichts ändern kann. Also ist es doch konsequent, wenn mich das alles nicht mehr interessiert. Es gibt Menschen, deren Beruf es ist, sich um das alles zu kümmern. Denen kann und braucht man nicht ins Handwerk zu pfuschen.
Ich könnte versuchen, zu verstehen, warum so viele Menschen es wichtig finden, über all diesen Quatsch Bescheid zu wissen. Warum es sie interessiert, dass in Malaysia eine Fähre gekentert ist, aber nicht, dass in Deutschland Kinder zu fantasielosen kleinen Konsumenten erzogen werden und so weiter. Vielleicht, um wenigstens immer wieder etwas Neues zu sehen, wenn man es doch eh nicht ändern kann.
Aber andererseits: Mach doch was du willst, Rest der Menschheit. Mit der gewonnenen Zeit kann ich stattdessen andere, nutzbringendere Dinge anstellen. Manche Menschen folgen ihren Träumen, während der Rest einfach das Unglück anderer Menschen bzw. ihrer selbst verfolgt. Weil ich lieber zur ersten Gruppe gehören will, verzichte daher darauf, mich von dem niemals endenden Fluss von Hiobsbotschaften noch länger mitreißen zu lassen. Überhaupt glaube ich, dass die ewige schlechte Stimmung im Land auch daher rührt, dass die Nachrichten nur von sachlichen Themen (in der Hauptsache Politik, und da ist im Zweifel jeder dagegen) und per se schlechten Dingen (85 Tote bei XY) handeln. Da muss man ja irgendwann schlechte Laune bekommen. Wenn z. B. die “Wirtschaftskrise” stattdessen als Chance promotet würde, sein altes, mieses Unternehmen zu verlassen und etwas Sinnstiftendes zu tun, das man sein Leben lang aufgeschoben hat – wie anders könnten die Menschen darüber denken!
Summa summarum: Lasst euch nicht von operativen Details den Kopf wirr machen. Abstand halten hilft. Mir ist es zum Beispiel egal, was Westerwelle wieder gesagt hat und was Seehofer wieder darauf geantwortet hat. Liberal bin ich trotzdem, auch wenn die FDP mit einer Energie am eigenen Stuhl sägt, dass man es kaum glauben mag. Doch das ist eine andere Geschichte.
Nachtrag: Jede Menge anderer Geschichten – und sehr gut geschrieben dazu – kann man beim Antibürokratieteam lesen. Das ist auch für mich einfacher, als selbst zu schreiben.
Wollte auch mal wieder drauf hinweisen.