Weltkindertag: Der Kindeserziehung auf die Beine helfen?
Heute ist Weltkindertag, und das hat mich daran erinnert, dass ich schon länger einmal über Kindeserziehung schreiben wollte. Gut, dass ich jetzt ein Blog habe
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Speziell die “emotionale” Bildung ab der Geburt bis zum Vorschulalter ist nach meinem Empfinden ein Thema, welches in der sogenannten “Öffentlichkeit” (lies: Printmedien und TV-Diskussionen, unbedingt auch ungefragte Politikerkommentare) vollkommen untergeht. Die Gesellschaft, also wieder TV, Zeitungen und schwatzhafte Politiker, betrachten es mutmaßlich als Tabu, den Bürgern in diesen ach so privaten Bereich dreinzureden. “Eltern können im Grunde bei der Erziehung grundsätzlich nichts falsch machen, solange sie ihre Kinder nicht schlagen”, scheint man hierzulande zu denken. Deswegen haben wir jetzt auch Gesetze gegen körperliche Züchtigung durch die Eltern, welche wohlgemerkt bis ins 21. Jahrhundert auf sich warten ließen – dank Tabu. Aber was, wenn Kinder auf andere Weise misshandelt werden, wenn die ihnen zustehende Vorbereitung auf das Leben vernachlässigt wird? Ihnen damit eine Entwicklung zu liebenswerten und liebesfähigen, reflektierten und verantwortungsbewussten Mitmenschen erschwert, gar unmöglich gemacht wird?
Ich will nicht behaupten, dass viele Eltern bewusst entscheiden würden, ihre Kinder falsch zu erziehen. Weitaus häufiger kommt es jedoch vor, dass Eltern selbst keine besonders gute Erziehung genossen haben und daher ihrerseits gar nicht ohne weiteres fähig sind, Kinder großzuziehen. Gar scheint sich ein regelrechter Trend zu schlechter, da mangelnder Erziehung auszubilden. Wer sich gelegentlich mit Lehrern unterhält (und auch zuhört), dem dürfte diese Einschätzung bekannt vorkommen.
Es sollte dies alles eigentlich niemanden überraschen; wer wollte schon behaupten, dass es jemals eine Zeit mit wirklich allgemein guter, also nach heutiger Auffassung optimaler, Kindeserziehung gegeben hätte – und von nichts kommt nichts, im Gegenteil, manche Menschen vergessen ihre gute Erziehung. Immerhin konnten wir aus der Vergangenheit wichtige Erkenntnisse über definitiv falsche Erziehung gewinnen: Seien es diejenigen 68er mit dem vollkommenen Unverständnis von antiautoritärer Erziehung, oder diejenigen (Ur-)Großeltern, die selbst noch mit der Peitsche erzogen (merke: “Es hat uns ja auch nicht geschadet, oder!?”); sie und viele andere haben die Menschheit aus ihren Fehlern lernen lassen. Die Erkenntnisse über gute und schlechte Erziehung gehen inzwischen natürlich schon weit über solche Stereotype hinaus.
Unsere Gesellschaft basiert darauf, dass wir unsere Kinder zu emotional reifen Menschen erziehen, denn nur so ist eine für alle zufriedenstellende Gemeinschaft möglich. Ich denke, dass die Gesellschaft zum Eingreifen verpflichtet ist, wenn sich zeigt, dass der Einzelne nicht (mehr) alle notwendigen Erziehungsaufgaben erfüllen kann. Wir haben Schulen errichtet und die Schulpflicht eingeführt, weil die meisten Eltern ihre Kinder nicht selbst lesen, schreiben und rechnen lehren konnten. Diese Fähigkeiten haben ihre Wichtigkeit für die Gesellschaft bis heute eindrucksvoll bewiesen. Heute kann der größte Teil unserer Bevölkerung eigenständig Briefe schreiben und Bücher lesen. Welch ein Gewinn für jeden von uns, und was war und bleibt das für ein Multiplikator für die weitere Entwicklung der Gesellschaft!
Meine These ist: Wenn das auf der Ebene des klassischen Schulwissens so gut geklappt hat, dann sollten wir auch die Eltern lehren, wie man Kinder richtig erzieht. Damit meine ich ausdrücklich die Erziehung zum beschriebenen, emotional reifen Menschen: Diese ist keine Frage des persönlichen Geschmacks wie die Höhe des Taschengeldes, sondern eine in objektive Aussagen fassbare Lehre zur positiven Beeinflussung der geistigen Entwicklung eines Kindes. Ich denke, unser Gemeinwesen könnte so unendlich viel reicher werden, wenn Eltern nur lernten, welche ihrer eigenen Verhaltensweisen der Entwicklung des Kindes schaden und welche sie fördern. Warum soll es einen Unterschied geben zwischen der Pflicht, als Kind in der Schule für das eigene Leben zu lernen, und einer Pflicht, als Eltern in einer Schule zu lernen, wie man seinen Kindern eine gute emotionale Erziehung angedeihen lässt?
Auf dieses Thema gebracht hat mich das Buch “EQ. Emotionale Intelligenz” von Daniel Goleman. Es hat mir die Augen geöffnet, welch riesigen Einfluss die Eltern auf die emotionale, charakterliche Entwicklung eines Kindes haben. Es hat mir auch gezeigt, wie viel man bei einem Kind – in guter Absicht! – falsch machen kann. Ich empfehle dieses Buch jedem Menschen, uneingeschränkt, vor allem natürlich werdenden Eltern.
