Highlight des Semesters

Gerade komme ich von einem Vortrag eines Professors aus Maryland über US-amerikanische Politik und Ökonomie, Schwerpunkt George W. Bush. Das war wirklich das beste, was mir in diesem Semester bisher geboten wurde. Vom Fachlichen abgesehen, das viele Überschneidungspunkte mit dem Buch “Weltmacht USA – ein Nachruf” von Emmanuel Todd bot (ein fantastisches Werk, das jeder halbwegs an der Weltökonomie, indirekt also auch am eigenen Schicksal interessierte, aufgeklärte Mensch gelesen haben sollte), war insbesondere die Darbietung großartig. Ein wenig Sarkasmus, die Leute mit einbeziehen, das kann einerseits schon ausreichen, die Zuhörer bei Stange zu halten, kann darüber hinaus aber – wie heute in meinen Augen geschehen – einen ansonsten schon recht interessanten Stoff nochmals so aufwerten, dass ein Vortrag als Erlebnis empfunden wird. Anscheinend haben Dozenten aus den USA generell ein Talent zu didaktisch geschickter Aufbereitung des Stoffes: Das hörte ich zum einen von einer Kommilitonin nach dem Vortrag, zum anderen sind amerikanische (College-)Lehrbücher, wie ich selbst an drei Beispielen kennenlernen konnte, viiiiiel lesbarer als die deutschen.

Ich will die deutschen Dozenten nicht schlechter machen als sie sind; ich höre hier einige gute und interessant gemachte Vorlesungen, die zwar selten Humor bieten, aber dennoch gerne besucht werden. Aber meine Generation hat auch immer noch das zweifelhafte Vergnügen, auf Overheadrollen aufgeschriebene Formeln abzuschreiben. Das hatte ich in Darmstadt in Physik (der Professor ist inzwischen in Ruhestand), das habe ich auch hier. Aber das wird immerhin dann noch spannend, wenn man Zeichen nicht lesen kann und im Auditorium kleine Diskussionen entstehen – die mit deviatorischem Geschick dann auch in Richtung anderer Themen fortentwickelt werden können. Zufälligerweise haben immer die Kommilitonen, die hinter oder neben mir sitzen, ein erstaunliches Talent darin!

Ganz übel sind aber Vorlesungen, in denen der Dozent nur mit seinem Laptop spricht und den trockenen Stoff in keiner Weise entstaubt. Aber vielleicht tue ich dem Dozenten, an den ich da denke, Unrecht. Man hat es halt in der Soziologie einfacher mit Sarkasmus zu arbeiten als in Fächern, in denen sich ausschließlich mit Rechenoperationen beschäftigt wird.

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