Politikervideos im Internet

[Eine Frage an die Leser: Wenn ich gleich mehrere Videos von Youtube weiterempfehlen will, soll ich die dann alle hier einbinden oder doch besser nur verlinken? Damit man den Unterschied direkt erkennen kann, werde ich in diesem Eintrag zur Abwechslung mal Links setzen. Bitte kommentieren, falls Meinung vorhanden!]

Die politischen Parteien, ruhelos, ihre Botschaften unter das Volk zu bringen, haben Youtube entdeckt. In meinem Geiste dreht sich ein gelbe Warnleuchte und es blinkt der Schriftzug “Schwafelalarm”. Stimmt zum Teil: Kurt Beck trägt im Channel SPD:vision in einem gelangweilten Ton vor, dass er sicher ist, davon überzeugt sein zu können, dass … blablabla (ab 00:39); ferner entrüstet er sich auf höchst populistische Weise über die Marktwirtschaft resp. die Causa Nokia. Das wird dann wohl genau die Art von “Volksfischerei” sein, die Theo Koll in Frontal 21 gemeint hat (Medienlink). Vielleicht will er aber auch nur der Linken die Zuschauer stibitzen, die auch einen Channel hat. Was da so erzählt wird, kann ich nicht sagen; mir deren Unsinn anzuhören, dazu fehlte mir dann doch die Zeit.

Außer Konkurrenz, über die Homepage der Bundeskanzlerin, läuft der Podcast derselben, z. B. “Angela Merkel sinniert über ihrem Globus” – wobei ich ihr nicht Unrecht tun will, gut möglich, dass sie in anderen Ausgaben ihres Podcasts Gehaltvolleres verkündet. Leider hat man nach der Einführung nicht mehr viel darüber gehört, und ich selbst habe es auch nicht weiter verfolgt; es könnte also sein, dass ich mich da irre.

Was den Politiker-erklären-mir-die-Welt-Ton angeht, ist natürlich auch der FDP-Vorsitzende mit dabei. In seinem Ostergruß findet er jedoch nach meinem Eindruck – im Unterschied zum SPD-Vorsitzenden, der “den Menschen etwas vermitteln will [sic!]” (s. o.) – zu einem sachlichen Ton, anstatt auf emotionaler Ebene herumzupoltern. Die Bürogemeinschaft “Fricke & Solms”, ebenfalls auf dem FDP-Channel, gehen dagegen ganz neue Wege, indem Politik nach Art einer Sitcom dargereicht wird – zum Beispiel im Jahresrückblick 2007. Und immer mit Schlusspointe! So zititert die Fraktionswebsite: “Die Bürogemeinschaft “Fricke & Solms” wurde in dem Beitrag [von Frontal 21] als einzige der bewerteten Youtube-Politik-Portale als “Internetfilm mit Witz – locker, menschlich, volksnah” prädikatisiert.

Bleibt noch festzuhalten, dass sich die Grünen wie auch die CDU auf Bundesebene noch gar nicht auf Youtube präsentieren. Das finde ich eine echt schwache Leistung. Ältere Menschen mögen das nicht verstehen, aber wer meine Generation ansprechen will, der muss etwas anderes bieten als Plakatwände und Stände auf dem Wochenmarkt. Vielleicht aber warten sie auch nur ab, bis sich die anderen im Netz lächerlich gemacht haben, um dann auftrumpfen zu können. Im Netz verzapfter Unsinn kann nämlich schnell nach hinten losgehen – um Vorwürfen einseitiger “Berichterstattung” zuvorzukommen, hier ein Video der Liberalen Hamburg zur vergangenen Wahl, nicht zu Unrecht als Deppenspot bezeichnet und nachvertont.

Als ob schwule Vögel ein Nest gebaut hätten

Der Lehrberuf, ein Buch mit sieben Seiten?

Ich weiß nicht, ob und in welchen Schichten der Gesellschaft sich noch die Fehleinschätzung hält, der Lehrerberuf sei zu Recht charakterisiert mit “vormittags hat man Recht, und nachmittags frei”. Die Debatte ist lange angestoßen, aber nicht jeder verfolgt sie. Dummerweise gilt das gerade für Abiturienten, und dabei speziell für das schlechteste Drittel (gemessen an der Abiturnote). “Viele halten das für einen Halbtagsjob”, sagte ein Schulforscher Spiegel Online. Bei so einer Einschätzung nimmt es nicht Wunder, dass sich gerade die am wenigsten Leistungsfähigen dem Lehrberuf zuwenden. Dabei stehen Lehrer an sich schon unter hohem Stress, und wenn dann hohe Anforderungen auf Inkompetenz treffen, ist das Unglück für alle Seiten groß. Glücklicherweise, so entnehme ich dem ersten und dem dritten Artikel, rücken erste Praxiseinsätze jetzt an den Beginn des Studiums – man mag das für eine Sparsamkeit seitens der Kultusministerien gehalten haben, aber ich ziehe eine optimistischere Einschätzung vor. Wenn dadurch, wie auch durch den Test “Fit für den Lehrberuf?“, in Zukunft unfähige Kandidaten zu Beginn ihres Studiums ausgesiebt werden können, kann das dem Ruf unserer Lehrer nur dienlich sein. (Und dem der Lehramtsstudenten!)

Hoffentlich müssen wir in der Zwischenzeit nicht trotzdem nehmen, was kommt – schon werden Lehrer verzweifelt gesucht (aber keine Grundschullehrerinnen!), denn der Schweinezyklus ist angeblich mal wieder im Bereich der Angebotslücke angekommen. Aus diesem Grunde “versuche man mit kurzfristigen Notmaßnahmen Quereinsteiger nachzuqualifizieren und früher abgewiesene Lehramtsbewerber wieder aufzunehmen”, hieß es 2006 seitens des Philologen-Verbandes. Da jauchzet einem das Herz, und es werden Erinnerungen wach an alte Schulzeiten: Eine ausgebildete Lehrerin, die zehn Jahre bei Merck gearbeitet hatte und daher wohl wieder als Quereinsteigerin bezeichnet werden müsste, war von unseren Klassenarbeiten so überfordert, dass sie krankfeiern musste um die Korrekturen zu schaffen. Teilweise konnten Noten nicht mehr in die Zeugnisse eingehen oder Arbeiten wurden gleich ganz gestrichen, um dem zuvorzukommen.

Hach, was waren das Zeiten damals – genau wie heute? Da wäre es mir weit lieber, wenn anstatt der gescheitelten Ex-Lehrer, die aus ihrer grauen Verwaltungsbehörde (oder woher auch immer) gelockt werden sollen und in einer Schulklasse so viel zu suchen haben wie ein Rollator auf der Autobahn, sich junge Absolventen in deutschen Klassenzimmern versuchten. Die taugen wenigstens noch als Vorbilder, jung und unverbraucht wie sie sind. “Teach First” heißt das Konzept, die Amis haben es erfunden und es ist für deutsche Schulen natürlich vollkommen ungeeignet, sagt die GEW. Dumm nur, dass die GEW anscheinend nicht versteht, dass es nicht darum geht, den Lehrern die Arbeit wegzunehmen, sondern mal frischen Wind in den Laden zu bringen. Nichts gegen Lehrer, aber “Teach First” will nur die Besten in die Schulen bringen – die Hochleister im Studium. Ein Kontrastprogramm eben.

Zum Schluss: Der Online-Redakteur dieses WDR-Artikels ist entweder dämlich, unverschämt oder hat den Schalk im Nacken. (Man beachte Überschriften und Bilder.) Aber genau nach meinem Humor.

Doodle

Soeben habe ich von einem praktischen neuen Web 2.0-Tool erfahren: Doodle ermöglicht eine einfache Terminfindung über eine Bestimmung der größten Schnittmenge und lässt sich auch für andere Arten von Umfragen und Abstimmung gebrauchen. Beispiele sind auf der Homepage verlinkt.

Spekulation zur Schulpolitik

Folgender Gedanke kam mir soeben: Im Vergleich zur Einheitsschule oder Gymnasium+Realschule hat das dreigliedrige Schulsystem den Vorteil, dass ein Teil der Schüler die staatlichen Schulen regulär nur neun Jahre in Anspruch nimmt. Könnte es sein, dass gewisse Politiker bei der Verteidigung dessen bislang insbesondere an die Kosten gedacht haben? Kindern Wissen zu verweigern, weil das mit höheren Kosten einhergeht – kein allzu abseitiger Gedanke, das traue ich denen allemal zu.

NRW – Land des Fortschritts

Behörden in Nordrhein-Westfalen scheinen denen der anderen Länder einen Schritt voraus zu sein. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal hat jetzt die Bearbeitung von Massenstrafanzeigen der Medienindustrie gegen P2P-Nutzer eingestellt. Diese werden für gewöhnlich aufgrund Geringfügigkeit ohnehin wieder eingestellt, was besagte Industrie aber nicht weiter stört. Diese kann nämlich über Akteneinsicht noch die Daten der Nutzer erlangen und sie abmahnen.

Außerdem hat die Justiz dieses Landes, anstatt eBay das Geld in den Rachen zu werfen, kurzerhand selbst eine Auktionsplattform aufgemacht. Die Behörden der anderen Länder sollen sukzessive Zugang erhalten. Sollten dabei Auktionsgebühren von den Anbietern verlangt werden, hätte NRW einen Weg gefunden, seinen Beitrag zum Länderfinanzausgleich weiter zu drücken.

Justiz Auktionen

Wordpress geupdated, müde

Man sollte sowas eigentlich nicht offen schreiben, aber nach einigen Monaten war es dann doch mal Zeit, auf eine aktuelle Wordpress-Distribution (Blogsoftware) umzusteigen. Da ich inzwischen alles wieder vergessen hatte, hat es dann auch eine halbe Ewigkeit gedauert. Gut, dass es Anleitungen gibt.

Seit dem Update funktioniert auch mein Archiv (rechte Spalte) wieder, das lange Zeit von einem Plugin (einer Erweiterung der Blogsoftware) irgendwie korrumpiert worden war. Ich habe das Plugin deaktiviert; das hätte ich natürlich früher machen können, aber vorher war ich nie auf die Idee gekommen, dass mal nicht meine Basteleien am Theme (der grafischen Oberfläche) die Ursache gewesen waren.

Parkinsonsches Gesetz

Keineswegs meine neueste Erkenntnis ist, dass ich solange ein Motivationsproblem habe, bis ich ein Zeitproblem habe. Die Parkinsonschen Gesetze wurden allerdings schon Jahre vor meiner Geburt entdeckt. Ein Auszug:

Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht – und nicht in dem Maß, wie komplex sie tatsächlich ist. (Work expands (so as) to fill the time available for its completion.) Als Beispiel wird oft eine Rentnerin angeführt, die einen halben Tag dafür braucht, ihrem Enkel einen Geburtstagsgruß zu schreiben. Zunächst geht sie eigens in ein Glückwunschkartengeschäft, verbringt dort eine halbe Stunde mit der Auswahl, überlegt sich dann zuhause stundenlang nette Formulierungen, geht schließlich zum Postamt, wo sie erst nach ausführlicher Beratung zu den derzeitigen Sondermarken schließlich die Karte aufgibt. Der Kontrast ist der vielbeschäftigte Manager, der die gleiche Aufgabe in drei Minuten an seinem Schreibtisch erledigt.

Besser als im alten Rom: Sogar Warmwasser

Das alte Rom trug ja schon moderne Züge, zum Beispiel bei der Wasserversorgung. Warmes Wasser hatten die aber noch nicht, soweit ich informiert bin. Was unsere Küche angeht, so waren wir bis heute Mittag auf dem Stand von vor 2000 Jahren. War der marode Wasserhahn in der Küche sogar noch kurz vor meinem Einzug notdürftig angekoppelt worden, wurde der Erstanschluss heute von mir und Tim fachmännisch zu Ende gebracht: neuer Wasserhahn (Hebelmischer), Druckschläuche (vorher: PVC, ehemals 15mm Durchmesser, bei Demontage 30mm Durchmesser), vorhandener Boiler fachgerecht angeschlossen, neuer Abfluss. Fazit: Vier Stunden Arbeit einschließlich Baumarktfahrt, 68€ Material.

Wie mir erzählt wurde, wuschen meine Mitbewohner in der neuen WG ihr Geschirr bis kurz vor meinem Einzug in der Toilette. Da ist das Becken zwar klein, aber es gibt warmes Wasser! So und nicht anders soll, ja, muss es in einer Studenten-WG auch zugehen. Ich denke, da stimmen mir alle Akademiker unter euch zu. Allerdings nur, wenn man nicht selbst darin wohnt. Nun bekommen wir endlich keine kalten Hände mehr beim Abwaschen; wobei das ja immer die Anke macht, wenn sie da ist. Ich bin immer fürs Abtrocknen zuständig. Solch Arbeitsteilung lob ich mir.

Neues Zimmer, neue Aussicht

Am vergangenen Wochenende bin ich zum fünften Mal seit 2005 umgezogen. Dieses Mal konnte ich meine Kisten allerdings schon nach 200m wieder auspacken. Nach einem halben Jahr im Lauterer Uniwohngebiet habe ich mich nämlich so an mein Viertel gewöhnt, dass ich gleich hier geblieben bin. Ich hoffe, dass das vorerst der letzte Umzug bleibt.

Aus meinem neuen Fenster fällt der Blick wieder auf ein großes Vielparteienhaus. Was mir daran aufgefallen ist: Es gibt keine Rollläden an den Fenstern, dort drüben wie auch bei mir. Ich finde das merkwürdig; hatte ich doch angenommen, dass Rollläden so eine Art deutscher Standard sind. (Vielleicht waren die Architekten ja Schweden, bei denen ist das ebenfalls nicht so verbreitet.) Wäre man zum Beispiel ein Außerirdischer, so müsste man vermuten, dass der Deutsche an sich vom Maulwurf abstammt – das wäre jedenfalls die einleuchtendste Erklärung dafür, dass so viele Rollläden hierzulande permanent heruntergelassen sind.

Eine andere deutsche Eigenart sind die Gardinen an den Fenstern. Auf der anderen Straßenseite sehe ich zu 90% weiße Gardinen – keine Ahnung, was daran so toll sein soll. Meine ehemaligen Mitbewohnerinnen in der alten WG waren auch sofort damit bei der Hand, aber mir kommt sowas nicht ins Haus. Ich mag nur Rollos, die waren bei mir in Schweden sogar zwischen den Scheiben eingelassen. Damit kann man im Sommer zum Beispiel auch prima die Hitze wegreflektieren, ich hab nämlich jetzt wieder Sonne! Gardinen dagegen wurden, wo bei uns zu Hause vorhanden, zumeist stiefmütterlich behandelt. Vermutlich hängt an der rechten Seite unseres Esszimmerfensters nun im fünften Jahr ein violetter Stofffetzen, der mal eine Gardine werden sollte.

In der Tat scheint es jedoch eine Erklärung zumindest für deutsche Spitzen-Halbgardinen zu geben. Letztens habe ich von einer Theorie gehört, nach der das wohl auf eine Art exhibitionistischen Voyeurismus zurückgeht: Der Nachbar, der im engen Deutschland ja sehr nah wohnt, soll jederzeit sehen können, dass man selbst es auch nicht besser hat und dass er nicht neidisch zu sein braucht. Um sicher zu gehen, dass es gerecht zugeht im Lande, schaut man dann auch bei ihm ab und zu mal hinein. Oder so ähnlich.

Mein Fernglas steht jedenfalls schon bereit. Ich habe noch keine Rollos angebracht, erwarte dafür aber im Gegenzug nackte Tatsachen auf der anderen Seite.