Der Lehrberuf, ein Buch mit sieben Seiten?

Ich weiß nicht, ob und in welchen Schichten der Gesellschaft sich noch die Fehleinschätzung hält, der Lehrerberuf sei zu Recht charakterisiert mit “vormittags hat man Recht, und nachmittags frei”. Die Debatte ist lange angestoßen, aber nicht jeder verfolgt sie. Dummerweise gilt das gerade für Abiturienten, und dabei speziell für das schlechteste Drittel (gemessen an der Abiturnote). “Viele halten das für einen Halbtagsjob”, sagte ein Schulforscher Spiegel Online. Bei so einer Einschätzung nimmt es nicht Wunder, dass sich gerade die am wenigsten Leistungsfähigen dem Lehrberuf zuwenden. Dabei stehen Lehrer an sich schon unter hohem Stress, und wenn dann hohe Anforderungen auf Inkompetenz treffen, ist das Unglück für alle Seiten groß. Glücklicherweise, so entnehme ich dem ersten und dem dritten Artikel, rücken erste Praxiseinsätze jetzt an den Beginn des Studiums – man mag das für eine Sparsamkeit seitens der Kultusministerien gehalten haben, aber ich ziehe eine optimistischere Einschätzung vor. Wenn dadurch, wie auch durch den Test “Fit für den Lehrberuf?“, in Zukunft unfähige Kandidaten zu Beginn ihres Studiums ausgesiebt werden können, kann das dem Ruf unserer Lehrer nur dienlich sein. (Und dem der Lehramtsstudenten!)

Hoffentlich müssen wir in der Zwischenzeit nicht trotzdem nehmen, was kommt – schon werden Lehrer verzweifelt gesucht (aber keine Grundschullehrerinnen!), denn der Schweinezyklus ist angeblich mal wieder im Bereich der Angebotslücke angekommen. Aus diesem Grunde “versuche man mit kurzfristigen Notmaßnahmen Quereinsteiger nachzuqualifizieren und früher abgewiesene Lehramtsbewerber wieder aufzunehmen”, hieß es 2006 seitens des Philologen-Verbandes. Da jauchzet einem das Herz, und es werden Erinnerungen wach an alte Schulzeiten: Eine ausgebildete Lehrerin, die zehn Jahre bei Merck gearbeitet hatte und daher wohl wieder als Quereinsteigerin bezeichnet werden müsste, war von unseren Klassenarbeiten so überfordert, dass sie krankfeiern musste um die Korrekturen zu schaffen. Teilweise konnten Noten nicht mehr in die Zeugnisse eingehen oder Arbeiten wurden gleich ganz gestrichen, um dem zuvorzukommen.

Hach, was waren das Zeiten damals – genau wie heute? Da wäre es mir weit lieber, wenn anstatt der gescheitelten Ex-Lehrer, die aus ihrer grauen Verwaltungsbehörde (oder woher auch immer) gelockt werden sollen und in einer Schulklasse so viel zu suchen haben wie ein Rollator auf der Autobahn, sich junge Absolventen in deutschen Klassenzimmern versuchten. Die taugen wenigstens noch als Vorbilder, jung und unverbraucht wie sie sind. “Teach First” heißt das Konzept, die Amis haben es erfunden und es ist für deutsche Schulen natürlich vollkommen ungeeignet, sagt die GEW. Dumm nur, dass die GEW anscheinend nicht versteht, dass es nicht darum geht, den Lehrern die Arbeit wegzunehmen, sondern mal frischen Wind in den Laden zu bringen. Nichts gegen Lehrer, aber “Teach First” will nur die Besten in die Schulen bringen – die Hochleister im Studium. Ein Kontrastprogramm eben.

Zum Schluss: Der Online-Redakteur dieses WDR-Artikels ist entweder dämlich, unverschämt oder hat den Schalk im Nacken. (Man beachte Überschriften und Bilder.) Aber genau nach meinem Humor.

Bislang 1 Kommentar

  1. anke 27. März 2008 22:15

    “teach first” halte ich auf jeden fall für ein sehr gutes konzept! man muss sich nur manche lehrer ansehen, die mit ihren unterlagen über den flur latschen, ihren unterrichtsstoff mit so einem gelangweilten gesichtsausdruck auf den lehrertisch klatschen und mit so einer monotonen stimme ihren unterricht halten, um zu wissen, dass der elan bei manchen einfach fehlt!!! sie wollten wahrscheinlich gar kein lehrer werden, sondern sich nur was “leichtes” aussuchen… wie viele, die ich kenne, haben schon mal gesagt “ach, wenn ich nichts besseres zum studieren finde, dann werde ich halt lehrer”. und das ist einfach die falsche einstellung! lehrer sind diejenigen, die die kinder und jugendlichen begeistern und zum lernen motivieren müssen, und wenn sie selber schon mit so einer einstellung an die arbeit gehen, dann kann meiner meinung nach nie mit dem lehren und unterrichten klappen…

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mailadresse wird keinesfalls veröffentlicht.
Ich behalte mir vor, unpassende Kommentare zu löschen.