Was der Bolognaprozess mit sich bringt

Bei einer kurzen Visite auf der StudiVZ-Seite eines Mitstipendiaten entdeckte ich dort eine Gruppe namens “SIFE (students in free enterprise)”. Als ich den Link auf sife.org nahm, konnte ich mir dort ein professionelles Vorstellungsvideo ansehen. Bei SIFE handelt es sich offensichtlich um eine weitere interessante studentische Gruppe von vielen anderen, wo man etwas für das Leben lernen kann.

Es ist traurig, dass die Umstellung der Studienpläne auf Bachelor/Master wohl leider einen Rückgang solcher Engagements bei deutschen Studenten bewirken wird. Nach allem, was ich aus unserem AStA gehört habe, sei auch die Neugewinnung von AStA-Referenten zunehmen schwierig. An unserer Uni werden zum nächsten WS nun auch die Wirtschaftsingeniere ausschließlich als Bachelors beginnen. Diese stellen die Hälfte aller Erstsemester.

Ob sich die europäischen Kultusminister das wirklich gut überlegt haben? Auch die Wirtschaft schneidet sich mit ihrem Ruf nach kürzeren, praxisnäheren Studiengängen letzten Endes ins eigene Fleisch: Die Anzahl weltgewandter Absolventen mit einem breiten Hintergrundwissen wird zurückgehen. Stattdessen wird die Zahl der Scheuklappenstudenten zunehmen, die sich keine Ablenkung von ihren Fachveranstaltungen (und ihren vielen, ach so bedeutenden Praktika) mehr leisten können.

Dass sich das Engagement deutscher Studenten insgesamt wieder erholen wird, halte ich zwar für möglich, wenn entweder durch die Hintertür die Anforderungen in den Klausuren gesenkt werden oder sich die studentische Leistungsfähigkeit allgemein erhöht. Für den einzelnen Studenten ist damit aber im Zweifel nichts gewonnen: Wer nicht zu den obersten 30% (variiert) gehört, wird nicht zum Master zugelassen. Da dieser Gedanke viele abschrecken wird, werden wir vermutlich eine strengere Differenzierung zwischen wenigen Hochleistern, die alles und noch mehr schaffen, und vielen reinen Studierenden (im Wortsinne) zu sehen bekommen. (Wie passend, dass da die Gleichstellungswut deutscher Bürokraten schon vorgesorgt hat. Immer und überall dieses schreckliche “Studierenden-” (-parlament, -werk,…). Als ob “Student” und “Studierender” dasselbe sei! Zur Diskussion siehe auch Wikipedia.)

Bislang 1 Kommentar

  1. anke 13. Juni 2008 14:14

    dass der hohe leistungsdruck vom bachelor/master studiengang die anzahl der engagierten studenten zurückgehen lässt, ist zwar einzusehen, aber man fragt sich, liegt es nicht etwa auch an den studenten selbst? ich meine, einer, der den WILLEN hat, zu der gesellschaft was beizuragen, lässt sich sicherlich nicht zurückschrecken vom vermeintlich “hohen” leistungsdruck (zumindest spüre ich z.b. keinen höheren druck als die a-l, außer dass ich mich mehr anstrengen muss, um zu meinem master zugelassen zu werden, aber ich hätte sonst auch nach einer guten note gestrebt, wer denn nicht?). erkennt man dies nicht schon an dir? du hast dir in deinem 1. sem so vieles vorgenommen und war trotzdem engagiert in der LHG. würdest du deine engagements nachlassen, nur weil du dir in den kopf gesetzt hast, diesmal eine bessere note zu schreiben? zeit ist wie ein schwamm, wenn man den willen dazu hat, damm findet man immer zeit zu ehrenamtlichen engagements, und das von dir dargestellte problem hat, finde ich persönlich, wenig mit der umstellung auf bachelor/master zu tun…

    hingegen sehe ich in dieser umstellung eigentlich fast nur vorteile! wie der bolognaprozess sagt, man möchte die mobilität, internaionale vergleichbarkeit und wettbewerbsfähigkeit sowie beschäftigungsfähigkeit fördern. was ist einer überhaupt, der nach seinem vordiplom deutschland verlässt und in die weite welt (nicht nur europa) geht, wo das bildungssystem überall zweistufig ist? mit welchem sem soll er denn weiter machen? hat er die anforderungen schon erfüllt, die die anderen länder für die ersten 4 sem des bachelors vorgeschrieben haben? bringt er vielleicht zu wenig praxiserfahrung und zu wenig pc- sowie programmierkenntnis mit sich?? was ist überhaupt seine vordiplomsnote, mit welcher note von uns soll ich es vgl? da dieses sondermodell von deutschland nun im ganzen europa bekannt ist, nehmen andere länder rücksicht drauf. fraglich ist nur, welcher von den 2, der eine engländer nach seinem bachelorabschluss, der andere deutsche nach 4 oder 6 sem, wird nun von einer französichen uni eher genommen? die dt studenten müssen sich auf bachelor/master umstellen, aber die anderen länder in der ganzen welt müssen sich auch auf dieses einstufige system, in dem man keinen anschluss erwirbt vorm diplom, auch einstellen! frage ist, ob sie imemr willig sind, insb wenn studienplätze bei denen begrenzt sind.

    p.s. der auslandssem-betreuer von uns hat mir neulich geschrieben, es sei viel einfacher, mich nach meinem bachelor nach auckland zu schicken als andere, die nach ihrem vordiplom wegwollen, außer dass hohe studiengebühren evtl bei mir anfallen würden und bei den anderen nicht… naja, wird sich noch raustellen)

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