Bürokratie am Beispiel der TU München

Auf einer Reise durch das Netz stieß ich eben ganz zufällig auf dieses Blog von Robert John Bennett, einem vielgereisten Akademiker aus den USA. Über seine Lehrtätigkeit an der TU München hat er einen (für ein Blog recht langen) Erfahrungsbericht auf englisch und auf deutsch verfasst. Bei der Lektüre kann es einem ziemlich unwohl werden.

Wenn Sie amerikanischer oder englischer Professor sind und sich an die intellektuelle Freiheit gewöhnt haben, die an angelsächsischen Universitäten gang und gäbe ist, wenn Sie Querdenker sind, oder wenn Sie glauben, dass Universitäten um der Lehrkräfte und der Studenten willen und nicht um der Bürokraten willen existieren sollten, oder wenn es Ihnen schwerfällt, sich einer starren, gelähmten und lähmenden Bürokratie zu unterwerfen, wenn Sie sich nicht an eine Atmosphäre gewöhnt haben, wo es wichtiger ist, den Bürokraten gehorsam zu sein und ihre Wünsche und Befehle absolut kritiklos zu befolgen, als ihre Arbeit exzellent durchzuführen, dann sollten Sie deutsche Universitäten wie die Pest meiden.

Manchmal bin ich nicht gerne Deutscher.

Bislang 2 Kommentare

  1. Benedikt 16. Juni 2008 20:25

    Schlimm, dieser Erfahrungsbericht, schlimm, schlimm, schlimm! Und das Erschütternde daran: Er hat recht. Genauso erlebe ich es auch. Letzte Woche erhielt ich einen Anruf vom Leiter meiner vorgesetzten Behörde. Wie ich es mir erlauben können eine Mail an das Kultusministerium zu senden, dass wir unsere Lehrerzuweisung noch nicht hätten. Dabei ging es nicht darum, ob ich Recht hatte, sondern darum, wie ich mir anmaßen könne, dem System seine Fehler zu zeigen. Der Mann war ehrlich empört. Selbst als er mir in der Sache recht geben musste, war er immer noch zutiefst verärgert, wie ich so etwas machen könne, sein Amt in Wiesbaden anzuschwärzen. Überhaupt kein Unrechtsbewusstsein, kein Zuhören, kein Fehlereingeständnis. Ein ertappter Apparatschik.

  2. Manuel 16. Juni 2008 23:29

    Das ist so ein Grund für mich, nie in den öffentlichen Dienst zu gehen. Keine Gestaltungsmöglichkeiten, es sei denn als Minister, und dafür muss man zum Glück nicht den Weg durch die Behörde nehmen. Entweder ich werde also Minister, oder ich stille mein Bedürfnis an Gestaltungspotential im eigenen Unternehmen…

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