Und noch ein Stipendium.

Als ich eben mit einer Tüte völlig verschimmelter Küchenabfälle zum Müll ging (da ist man mal fünf Tage weg, tss), war nach der Mahnung der Bundespost von vorhin wunderlicherweise schon wieder etwas in unserem Briefkasten.

Dicke weiße Briefumschläge sind gut, wenn man vorher bei einem Auswahlgespräch einer Stiftung war. Hat man sich vorher irgendwo auf dem Postwege (dem Bundespostwege!) bei einer Firma beworben, sind sie eher schlecht, dann wäre ein kleiner dünner Umschlag besser. Aber in diesem Fall war es ja, wie gesagt, ein dicker Umschlag.

Jedenfalls freut sich die Friedrich-Naumann-Stiftung, mich als Stipendiaten begrüßen zu dürfen. Da lasse ich mich nicht natürlich nicht lumpen und freue mich mit. Im Oktober, praktischerweise vor Vorlesungsbeginn, bin ich dann herzlich zur obligatorischen Einführungsveranstaltung eingeladen (diese Kombination ist genauso lustig wie “Sie sind Freiwilliger!”). Ich hoffe, dem Selbstanspruch der Stiftung auf lange Sicht gerecht zu werden; die Stipendiaten sollen nämlich so einiges selbst auf die Beine stellen. Das kommt mir jetzt irgendwie ein bisschen bekannt vor.

Zum Glück wird es nicht darauf hinauslaufen, dass wir in den Bewerbungsverfahren die ganze Vorarbeit für die Stiftung machen, wie bei der sdw. Immerhin! Mein Problem ist auch eher, mich an diese langfristige Terminplanerei zu gewöhnen. Ich bin in diesem Jahr noch ganz gut mit meinem doppelseitigen Pappkalender ausgekommen, letztes Jahr sogar noch ganz ohne. Womöglich muss ich mir jetzt sogar einen PDA kaufen, so wie Hendrik, Mitstipendiat und StuPa-Präsident. (Der arme Kerl ist so beschäftigt, nach seiner Wahl hatte er noch nicht mal mehr Zeit für Rechtschreibung in seinen Mails. Das würde mir doch sehr fehlen.)

Wenn es nicht so ein Riesenaufwand wäre, würde ich mich jetzt noch bei der Konrad-Adenauer-, Friedrich-Ebert- und Rosa-Luxemburg-Stiftung bewerben und versuchen, auch denen etwas Nettes zu erzählen. Bei der Hans-Böckler-Stiftung kann man sich nicht direkt bewerben, aber ich könnte mich ja von meiner Patentante vorschlagen lassen, einer Gewerkschafterin. Dann würde ich mir ein Album kaufen und die Stipendien dort einsortieren, zum Beispiel nach der Farbe. Bis zum Ende meines Studiums würde ich dann sicherlich auch den Rest noch herbeischaffen, ich hab ja Zeit. Vielleicht gibt es ja auch Tauschbörsen für sowas. “Suche KAS, biete e-fellows und Hertie” oder so.

Jaja.

Wiesbadener Grundsätze

Da ich heute zum Auswahlgespräch der Friedrich-Naumann-Stiftung nach Gummersbach aufbrechen werde, informiere ich mich seit einigen Tagen noch eingehender mit liberalen und freiheitlichen Themen. Dabei ist mir aufgefallen, dass die “Wiesbadener Grundsätze” der FDP, das immer noch topaktuelle Grundsatzprogramm von 1997, teilweise inhaltlich gleich ist mit dem bereits vorgestellten Buch Westerwelles von 1998.

Ich denke, als Element für einen Vergleich zwischen den Parteien sind die Wiesbadener Grundsätze sogar noch besser geeignet, da sie in einem nüchterneren Stil geschrieben sind und, von einer Person unabhängig, für sich stehen. Wollte man als mündiger Bürger eine Wahl treffen und sich eingehend informieren, wäre es wohl ein sinnvoller Ansatz, sich dieses und andere Grundsatzprogramme zu beschaffen und vergleichend zu lesen.

Vermutlich ist das sogar besser, als sich je ein Buch von Lafontaine, Westerwelle, Beck usw. zu kaufen, denn je mehr die grundsätzliche politische Essenz mit persönlichen Ansichten und abseitigen Erzählungen vermischt wird, desto eher besteht die Gefahr, rhetorischen Tricks und pseudowissenschaftlichen Argumentationen aufzusitzen. Das gilt natürlich für das gesamte politsche Spektrum!

Es war einmal, es war einmal…

Vor einigen Jahren wollte ich mir ein bestimmtes Buch von meinen Eltern schenken lassen. Diese jedoch weigerten sich standhaft. Was war geschehen? Hatte ich mir eine Glatze rasieren lassen, Springerstiefel angezogen und mir eine Originalausgabe von “Mein Kampf” gewünscht? Oder hatte ich die Blumenkästen auf meinem Balkon für mich entdeckt und nach dem “Handbuch für die Marihuana-Zucht in Haus und Garten” verlangt? Handelte es sich vielleicht um eine Hochglanzausgabe des Kamasutra, oder um den (indizierten) Comic “Donald Duck – Häuserkampf in Entenhausen”?

Nein, nichts dergleichen. Es war mein Begehr, das von Guido Westerwelle mit Blick auf das Wahljahr 1998 geschriebene “Neuland“, und damit zum ersten Mal ein Buch eines Liberalen zu lesen. Da jedoch meine Eltern über den Liberalismus leider nicht viel wissen und mir in diesem Zusammenhang ausschließlich mit Plattitüden und Vorurteilen begegen, konnte ich sie leider nicht dazu bewegen. Ich denke, diese Abwehrhaltung gegenüber “liberal” und FDP ist zwar ungerecht, aber nachvollziehbar – meine Eltern kann ich schon verstehen: Westerwelle gelang es in langjähriger Führung der FDP nicht, den Ruf der “Partei der Besserverdienenden” letztlich abzulösen. Klassische liberale Themen aufzugreifen, das überließ man lieber der Friedrich-Naumann-Stiftung, die sich redlich müht, ihre verschwindend kleine Zielgruppe zu vergrößern. Stattdessen wurde mit sinnlosen Aktionen wie einer Kanzlerkandidatur oder einem inhaltsleeren “Projekt 18″ ein rufschädigendes Karnevalsprogramm gefahren. Das Wort “liberal” scheint in grünen und sozialdemokratischen Kreisen traurigerweise nach wie vor eine Art Schimpfwort zu sein.

Jedoch erwarte ich von akademisch gebildeten Menschen (wie meinen Eltern) andererseits auch die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich mit den Kernthesen der politschen Gegnerschaft auseinanderzusetzen. Wo es sich ein gebildeter Mensch nicht vergibt, eine Meinung zu haben: Kann es dort zu viel verlangt sein, den Blick über das Geplänkel des politischen Tagesgeschäfts hinweg zu werfen und sich um eine Einsicht in das Wesen einer politischen Gesinnung zu bemühen? In Zeiten verschwimmender Grenzen zwischen Rot und Schwarz, links und rechts ist dies wohl dringender denn je.

Wenn ich also dieses Buch lese (wegen dem ich diesen Eintrag eigentlich schreiben wollte), habe ich einen Textmarker immer griffbereit. Praktisch jeder dritte Satz in diesem Buch ist aus sich heraus so einleuchtend, dass man ihn auf Plakate drucken und in der Republik aufhängen müsste. Ich hätte es viel früher lesen sollen – die Motivationskraft, sich für den Liberalismus einzusetzen, ist enorm. (Siehe auch eine Amazon-Rezension.) Zwar gilt die Enormität auch für den Redundanzgrad der einzelnen Kapitel, und einige Auslandsbetrachtungen ringen mir, nun zehn Jahre später, nur ein höhnisches Grinsen ab. (Wie schnell sich ein Blatt doch wenden kann.) Aber auch darüber: Muss man hinwegsehen können, wenn man die Kernaussage verstehen will.

Vielleicht kann ich ja den einen oder anderen Leser, der selbst auch “liberal” als Schimpfwort betrachtet, dazu animieren, sich Westerwelles Buch zu kaufen und sich mal ganz eigenständig (sic!) und kritisch-distanziert ein Bild zu machen (es kann nie schaden). Bei Amazon liegt der niedrigste Preis bei 0,01 €.

Student als Uni-Rektor

Spiegel Online berichtet über einen Putschversuch: Student will Uni-Rektor werden.

Sommer vorbei?

Draußen herrscht bescheidenes Wetter und die Ahornbäume vor meinem Fenster haben schon die ersten Blätter abgeworfen. Kann natürlich auch an mangelnder Bewässerung liegen… ich wollte ja eigentlich nochmal ins Freibad dieses Jahr, aber was solls, ist eh so weit zu fahren. Da ich Hitze ohnehin nicht leiden kann, soll es mir recht sein.

Kundenrechte

Bei Focus Online habe ich einen guten Artikel zum Thema Rechtsmythen des Alltags gefunden. So sind u. a. auch reduzierte Kleidungsstücke mitnichten vom Umtausch ausgeschlossen – steht auch im BGB, die Paragraphen wurden hier erfreulicherweise gleich zititert. (Zivilrecht, also das BGB – gestern frisch geprüft – war auch die sinnvollste Veranstaltung meines letzten Semesters.)

Stammzellspenderregistrierung

ist möglich bei der DKMS und zwar ganz einfach per Post, mit einem Watteabstrich der Mundschleimhaut. Eine gute Sache, die den Anwender nichts kostet (außer, man möchte spenden). Ich habe mich soeben angemeldet – einfach im Menü links auf “Registrierung” klicken. Die Unterlagen werden zugeschickt.

Bergfest

Aus meinem alten Studium in Darmstadt erinnere ich mich noch an das “Bergfest”. So wurde der Zeitpunkt genannt, zu dem wir die Hälfte unserer 18 Präparate im Grundpraktikum Org. Chemie gekocht hatten. Scheußlich viel Arbeit! Da ich jetzt auch etwa die Hälfte meiner Klausuren geschrieben habe, ist also mal wieder Bergfest.

Was sonst noch los ist: Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat mich nach Gummersbach zum Interview geladen, wohin ich mit einem Kollegen aus der lokalen LHG (Liberalen Hochschulgruppe) per Auto fahren werde. Wir sind (soweit bekannt) Nr. 2 und 3 aller Bewerber aus KL seit Gründung der Uni 1970. Ein glücklicher Zufall: so muss ich nicht Bahn fahren!

Gestern fand dann noch das Abschiedsfest meiner Eltern von unserem alten Wohnort (nach meiner Interpretation eine Feier aus Anlass des Wegzugs) und zugleich eine doppelte Geburtstagsfeier statt. Es war sehr schön, alle Leute aus “diesem Lebensabschnitt” nochmal zu sehen, bevor meine Eltern nach Hof ziehen. Schließlich kann man doch nicht ewig am selben Ort wohnen, das finde ich (fünf Umzüge in drei Jahren) widernatürlich.

Eine schöne Tradition mancher amerikanischer Collegestudenten ist es, zum Auszug eine Moving Out Party zu veranstalten. Dazu gehört auch eine Zerlegung des Mobiliars. Schade, dass meine Eltern sich nicht neu einrichten wollten; es wäre sicher sehr lustig geworden.