Endlich raus aus Aktien
Ich habe wirklich die Nase voll von Aktien. Immer, wenn der Wert meiner Depotanteile stieg, wollte ich nicht aussteigen, um nicht zu verpassen, was noch kommen könnte. Aber wenn er fiel, wollte ich noch weniger aussteigen, um meine Verluste nicht mitnehmen zu müssen. Und das mache ich jetzt seit sieben Jahren mit, für einen im Vergleich lächerlichen Betrag. Aber jetzt habe ich beschlossen, alle meine Depotanteile zu verkaufen. Mir reichts, ich habe seit Einstieg ohne Inflationsausgleich 15% verloren. Zum Glück ist das ein noch geringes Lehrgeld, das ich da bezahlt habe. Andere sind noch 2000 voll in Cargolifter gegangen…
Es war schon am Anfang gleich bescheuert, in einen Fonds zu investieren, dem ich nicht vertraut habe. Amerikanische Konsumwerte nach der Jahrtausendwende, wie dumm muss man eigentlich sein? (Damals war ich 15 oder 16.) Nachdem ich da schon die Hälfte verloren hatte, ging ich 2005 in osteuropäische Werte, die mich zur letzten Jahreswende sogar knapp an das inflationsbereinigte Plus brachten. Aber dann kam Subprime! Das hatte zwar mit Osteuropa nichts zu tun, aber die Werte fielen trotzdem. Wann kapieren die Anleger endlich, dass es in Osteuropa keine Subprimekrise gibt? Aber es ist sinnlos, an den Aktienmärkten regiert das blanke Chaos, da existiert kein Verstand, an den man appellieren könnte.
Nein, ich mache das nicht mehr mit. Gut, dass ich es jetzt eingesehen habe, und nicht wenn die Ersparnisse von 50 Jahren dahin sind. Soll ich euch mal sagen, was der einzige Weg ist, sein Geld zu vermehren? Selbstvertrauen, Unternehmergeist und eine gute Geschäftsidee. Damit kann man reich werden, aber Aktien – das ist Glücksspiel, und da gewinnt immer nur die Bank.
Aber Manuel, wenn „nur die Bank“ gewinnen würde, wie du aus einer sehr pessimistischen Sicht behauptet hast, dann würde doch keiner mehr Aktien kaufen, oder?! Abgesehen davon, dass ich schon etliche Beispiele kenne, bei denen es nicht der Fall ist…Man muss ja in verschiedene Formen von Aktien investieren, seien es Aktienanleihen, Zertifikate, Optionsscheine, Hebelprodukte, Rohstoffe usw, um sich gegen jede Krise abzusichern. Es gibt ja diese Reverse-Indexzertifikate, bei denen man eins zu eins von fallenden Kursen profitiert, oder Put Optionsscheine. Wenn du ein bisschen Kapitalschutz brauchst, dann bieten sich Produkte mit Puffer an, z. B. Diskount Zertifikate oder Garantie Zertifikate (sind wohl am sichersten). Oder du kannst auch deinen Gewinn durch Hebelwirkung erhöhen, wenn du auf einen steigenden Kurs setzt, indem du Hebelprodukte erwirbst, z.B. Outperformance Zertifikate oder Knock Out Produkte. Man braucht so zu sagen ein sehr breites Spektrum an Produkten, damit man sein Geld mal gegen Abwärts- oder Seitwärtstrend sichern aber auch von steigenden Kursen überproportional profitieren kann. Nur eine Art von Aktien ist es denke ich nicht so gut.
Und außerdem macht man das ganze Aktiengeschäft nicht nach Gefühlen, sondern es gibt gewisse Regeln, die man einhalten muss, wenn auch wider Intuition! Dazu ist ja eine technische Analyse gut und die Finanzmathematiker (was ich auch mal werde
) sind dann gefragt. Man kann nämlich die Kurven in den Charts als partielle Differentialgleichungen interpretieren und mit Stochastik gewisse Trends vorhersehen. Auch wenn man keine Ahnung von Differentialgleichungen hat, gibt es diverse Indikatoren, MACD, STO, Gleitender Durchschnitt usw, die dir Kauf- oder Verkaufssignale geben. Und man muss nur den Signalen folgen, nicht den Gefühlen (!!!).
Aber um ein richtig gutes Geschäft zu machen, müsse man auch jede Menge Zeit investieren, jeden Tag 1 oder 2 Stunden, so meine Aktienfieber- Kollegen
, um Nachrichten zu lesen und Charts zu analysieren. Die Frage ist nur, ob man diese Zeit hat bzw. ob man diese Zeit dafür investieren will. Ich nehme mir z.B. gar nicht so viel Zeit für so was. Aber dafür habe ich auch nur ein virtuelles Musterdepot bei Finanztreff.de, habe ja kein Vermögen hehe
. Mein Vater findet es ganz gut, dass ich jetzt nur mit virtuellem Geld „spiele“, denn so gut kenne ich mich auch noch nicht aus, und bevor ich mein ganzes Geld verspiele…
Aber ich habe schon vor, mich noch einzuarbeiten in die Chartsanalyse. Habe nämlich 2 sehr gute Bücher vom Markus bekommen (unser 1. Vorstand, weißt dus noch?), Regel Nummer 1 von Phil Town und Technische Analyse von J. Murphy. Werde mit den Büchern anfangen am Dienstag, wenn ich meine Algebra hinter mir habe
(ahhh, ALGEBRA!!!!! MANN!!!). Du könntest dir sehr viele wertvolle Tipps holen von unseren Aktienfieber Mitgliedern, Peter, Markus, Martin und so, falls du dir doch noch überlegst zumindest ein Musterdepot anzulegen! Von mir bekommst du vielleicht NOCH nicht so viele Tipps hehe, aber ich arbeite dran!
ah, noch was: und was machst du mit deinem aus “Selbstvertrauen, ein(em) unternehmerische(n) Geist und eine(r) gute(n) Geschäftsidee” verdiente Geld? auf einer Bank lagern mit etwa 4% Zinsgeld oder doch investieren????? *gg* Na, ich bin gespannt auf deine Reaktion wenn du wirklich so weit bist! Dann wirst du nicht nur in Aktien investieren sondern sogar auch in Riesenprojekte, die eine Laufzeit von über 10 Jahren haben…
Wenn ich in Dutzende verschiedene Produkte investiere, zahle ich zum einen wieder viele Depotgebühren, zum anderen kann man auch gar nicht jedes Risiko absichern. Einige Produkte gehen von grundverschiedenen Prognosen aus und widersprechen sich. Damit sinkt die Rendite doch praktisch auf null. Die Möglichkeit des Verlustes bleibt zudem immer bestehen, wenn ich Firmenanteile gleich welcher Darreichungsform kaufe. (Wenn es meine eigene Firma ist, dann wäre ich wenigstens selbst schuld und hätte es verdient!)
Investiere ich stattdessen in Tagesgeld oder auch dieses andere mit 3 Monaten Kündigungfrist etc., habe ich zwar auch eine niedrige Rendite (wie oben), aber das Risiko trägt die Bank und nicht ich.
Wenn ich mal viel Geld habe, wird das bestimmt in meiner eigenen Firma stecken. Und wenn nicht, dann macht das mein Finanzmanager, der versteht was davon. Aber ich als Kleinanleger, der keine Ahnung von Chartanalyse hat, zahle doch am Ende immer die Zeche.
nö, die Produkte widersprechen sich gar nicht. Was du meintest ist wohl, dass du z.b. bei Abwärtstrends durch Reverse Zertifikate und so zwar profitieren kannst, aber durch die eben nicht “Reverse” Produkte wieder verlierst. Dadurch heben sich die Wirkungen auf. Aber es ist ja nur in schlechten Zeiten so. In guten Zeiten bringen deine Aktien schon genug Gewinne (na, nicht “deine”).
“dann macht das mein Finanzmanager, der versteht was davon” haha, und was wird dein Finanmanager machen?? Investieren investieren und nochmal investieren!! genauso wie die Beraterin von meinem Vater von der Deutschen Bank! Und die, die hat aber auch nicht immer gute Investitionsvorschläge gehabt…
Natürlich widersprechen sie sich, das hast du doch gerade selbst geschrieben. Wenn ich ein Zertifikat habe, das bei fallenden Kursen steigt, und eines, das sinkt, dann heben sich die Wirkungen genau auf. Darüber hinaus zahle ich noch Gebühren für beide an die Bank. Und wer gewinnt dabei? Genau, die Bank.
Und in “guten Zeiten” schöpft die Bank auch noch die Gewinne oberhalb des Caps ab. Sieh es ein, die zahlen später schließlich auch dein Gehalt: Die Banken gewinnen immer!
also wenn du so denkst wie ein 18 jähriger Junge, dann weiß ich auch nicht, was ich dazu sagen soll. Diejenigen, die von Aktien entweder wenig oder viel profitiert haben, sind dann alle tot… Nur weil Du davon nichts profitieren konntest, meinst du, das ganze Aktiengeschäft sei im Eimer! Und warum arbeiten noch so viele Leute dran, wie man am geschicktesten anlegen kann, was tun die ganzen Chartanalyseriker, warum gibt es sogar Finanzmathematik zu studieren????? Die seien ja alle so bescheuert!! Und zwar für so ein Geschäft, das aussichtslos ist und bei dem nur die Banken gewinnen, also echt, wie kann man denn nur…
Chartanalytiker wollte ich schreiben…
Anke, du denkst selbst kindisch. Was ich anwende, ist gesunder Menschenverstand. Meinst du, Chartanalyse generiert auch nur einen Cent an Wert? Natürlich nicht. Es ist ein Mittel, um dem Markt eine höhere Rendite abzuringen als ohne Hilfsmittel, und es funktioniert auch meistens. Aber das ist nur eine partikulare Sicht. Global betrachtet behauptest du, dass im Aktiengeschäft alle gewinnen könnten. Das aber ist naiv und weltfremd. Jemand muss verlieren, was der andere gewinnen kann. Und das sind diejenigen, die ohne Hilfsmittel arbeiten, die sich von Manfred Krug Telekomaktien andrehen lassen und zu spät in den Markt gehen und ihn verlassen. Kleinanleger, behaupte ich, zahlen immer die Zeche. (Globalbetrachtung!! Ausnahmen sind möglich!!)
Deinen Studiengang gibt es übrigens, weil es eine Nachfrage nach dieser Ausbildung gibt, und nicht weil er einen absoluten Wert darstellen würde. (Gilt für alle anderen Ausbildungen auch.) Je mehr einer analysieren und tricksen kann, desto mehr verdient seine Bank oder seine Kundschaft. Ein ganz einfacher Zusammenhang!
“dass im Aktiengeschäft alle gewinnen könnten” dir ist jetzt hoffentlich klar, dass ich sowas nie behauptet habe.
ja, jetzt nach vier Stunden chatten müsste ich ja ansonsten noch blöder sein als eh schon!
Meine Erfahrung mit Aktien ist nach mittlerweile zehn Jahren so schlecht, dass ich Manuel zustimmen muss. Am Ende verdient in der Regel nur die Bank. Oder/Und die großen Investoren wie Versicherungen etc. Die Energie und Zeit, die ich in die Beobachtung und das Studium der Aktienmärkte stecken müsste, um heil davon zu kommen, habe ich schlicht nicht; deswegen gehe ich ja zu einem Finanzberater. Aber die können es oft auch nicht, oder wollen mein Geld nicht vermehren sondern mein Geld haben. Ich rate mittlerweile jedem, die Finger davon zu lassen. Die Kenntnisse reichen nicht aus, so wenig wie der Normalbürger von der Chirurgie versteht, der er im Krankheitsfalle ausgeliefert ist.