wissenschaft.de: Warum Kinder nicht immer das tun, was ihre Eltern wollen

Die Kleinen können aktuell Gesagtes nicht in zukünftige Aktionen umsetzen

“Wenn Kinder nicht gleich auf eine Aufforderung reagieren, vermuten Eltern häufig, dass sie nicht richtig zuhören oder sogar absichtlich ungehorsam sind. Doch damit tun sie ihren Sprösslingen möglicherweise Unrecht: Kinder denken einfach anders, erklären amerikanische Forscher. Bis etwa zum Schulalter können sie noch keine Verbindung zwischen Gegenwart und Zukunft herstellen. Daher begreifen sie auch nicht, welchen Einfluss eine Handlung in Zukunft hat oder haben könnte. Bekommen sie also etwas gesagt, reagieren sie häufig nicht gleich, sondern erst später – dann nämlich, wenn sie genügend Informationen zusammen haben, um die ursprüngliche Anweisung einordnen zu können, berichten Yuko Munakata und sein Team von der University of Colorado in Denver.”

Zum Artikel (via wissenschaft.de-Newsletter)

Francis Fukuyama

Welch ein interessanter Mensch, welch interessante Dinge er geschrieben hat! So habe ich Präimplantationsdignostik und genetische Selektion noch nicht gesehen… Francis Fukuyama

Stellungnahme Jörg Tauss

Und weil ich nicht nur die Volksüberwachung, sondern auch mediale Vorverurteilungen hasse wie die Pest (siehe meinen Beitrag zu Eva Herman), hier zur Stellungnahme von Jörg Tauss zu den Ermittlungen … bla bla etc. und zum Eintrag im lawblog.

Mein schönstes Zitat des Tages aus Kommentar Nr. 18 in oben genanntem Eintrag:

Für mich bleibt die Frage, warum man die Tötung einer vierfachen Mutter bei einem offenbar durch fahrlässiges Verhalten verursachten Skiunfall politisch so viel problemloser überlebt als dies hier.

Frau Harms und die Vorratsdaten

Wie mehrfach geschildert, habe ich mich an der Sammelklage gegen die Vorratsdatenspeicherung beteiligt. Einstmals ersonnen zur Bekämpfung der beiden Totschlagargumente Terrorismus und Kinderpornographie (letzteres ist quasi der Hitlervergleich in der Datenschutzdiskussion: Einmal angewandt, ist die Sachdebatte instantan beendet), ist diese in unseren Augen ein Mittel des Staates zur Einschränkung unserer Grundrechte, z. B. des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung. Von Anfang an bestand die begründete Vermutung (durch Blick auf das Ausland), dass die Nutzungsmöglichkeiten dieser Daten nach und nach ausgeweitet werden, bis irgendwann der Falschparker am Handy belauscht wird.

Und womit überrascht uns die Generalbundesanwältin Harms gestern? Mit der Forderung, besagte Daten, wo sie doch schon einmal da sind, für die Strafverfolgung einzusetzen. Ich weiß nicht, was mich mehr überrascht: Die Tatsache, dass sie sowas im Vorwege des entscheidenden BVerfG-Urteils verlautbart, oder dass sie überhaupt so dumm ist, alle Befürchtungen der Datenschützer mit Fakten zu untermauern. Either way: Das ist Wasser auf unsere Mühlen.

eurotopics: …über die Vorzüge des Kapitalismus

Élet és Irodalom – Ungarn

Gábor Bruck und Zoltán Vági über die Vorzüge des Kapitalismus

In der liberal-intellektuellen Wochenzeitung Élet és Irodalom reflektieren Gábor Bruck und Zoltán Vági über den allenthalben zu Grabe getragenen Kapitalismus. “Der Kapitalismus ist neuerlich zu einem Schimpfwort geworden. Er ist heute ein Synonym für Raffgier, unbändiges Profitdenken und die Ausbeutung der Bürger. … Antikapitalistische Tendenzen sind auf dem gesamten Globus zu beobachten. Indes zeigen uns die Tatsachen ein anderes Bild. Krise hin oder her, das Lebensniveau der Menschheit ist noch nie so sehr gestiegen wie seit dem Bestehen einer kapitalistischen Wirtschaftsordnung. Obwohl viele von uns glauben, dass unser heutiger Entwicklungsstand der vorläufige Endpunkt einer linearen Kurve ist, der von der Steinzeitaxt bis hin zum Internet reicht, erzählt uns die Geschichte, die von Historikern, Ökonomen, Ärzten und Archäologen Baustein für Baustein zusammengefügt wurde von etwas anderem. Tatsache ist, dass sich die Menschheit, ja der Wohlstand, Reichtum und das Lebensniveau des einzelnen Menschen in den vergangenen hundertfünfzig bis zweihundert Jahren weit mehr entwickelt haben als vom Paleolitikum bis Napoleon insgesamt. Statt den Kapitalismus wütend in den Orkus zu werfen, sollten wir uns auch mal dessen Vorzüge vor Augen führen.” (17.03.2009)

via eurotopics

sdw-Auswahlgespräche, “Herausforderung Unternehmertum”

Gestern Nachmittag konnte ich zum ersten Mal bei zwei Bewerbungsgesprächen für die sdw [Stiftung der Deutschen Wirtschaft] mit unserem Vertrauensdozenten, Herrn Prof. Roth, beisitzen. Unsere Bewerber in Kaiserslautern hatten zunächst bis zum 1. Februar Zeit gehabt, ihre PDF-Bewerbungen einzureichen; aus diesen hatten wir dann eine sinnige Auswahl vorgenommen und diese Teilmenge zum Interview geladen.

Abends besprachen wir dann im Restaurant Spinnrädl, dem wohl ältesten noch existierenden Gebäude außer der ollen Kaiserpfalz von Barbarossa, welche Kandidaten wir nach Berlin empfehlen wollen. Wie üblich war es am schwierigsten mit den Kandidaten, die sich mittelmäßig geschlagen hatten. Wir hoffen wie immer auf eine überdurchschnittliche Erfolgsquote unserer Kandidaten!

Nachdem wir das erledigt hatten, konnte ich mich später noch ausführlich mit einigen Co-Stipendiaten über meinen Vorschlag unterhalten, ein Team in Kaiserslautern für den sdw-Wettbewerb “Herausforderung Unternehmertum” zusammenzustellen. Ich bin richtig happy, dass ich mit der Stipendiatengruppe einen Pool von Leuten habe, die sich dafür genauso interessieren. Übrigens gibt es an der TU Kaiserslautern und der FH seit dem Jahreswechsel sogar ein “Gründungsbüro”, das angehende Ausgründungen aus der TU begleiten und unterstützen soll.

Vielleicht liegt es daran, dass ich in der Thematik so drinstecke, aber ich meine, dass sich die gesellschaftliche Einstellung in dieser Hinsicht verbessert. Momentan nehme ich auch an einer “virtuellen Akademie” der Friedrich-Naumann-Stiftung zum Thema “Start in die Selbständigkeit” teil, einem kostenlosen Seminar via Internet. Die dort gesammelten Materialien sind sehr interessant, die Anmeldung lohnt schon allein deswegen (geht offenbar noch eine Woche). Der Experte in diesem Seminar ist Prof. Faltin aus Berlin, der in seinem (bei Amazon hervorragend bewerteten) Buch “Kopf schlägt Kapital” aus seinen Erfahrungen mit dem Unternehmertum berichtet.

Der Link, der zu einem Link führte – oder: DDR 2.0

Neulich im Mittelalter, Deutschland 2009: Jemand wird angeklagt, Kinderpornographie zu verbreiten, weil er auf eine Seite verlinkte, die ihrerseits auf eine Seite (Wikileaks) verlinkte, auf der eine sog. “Dänische Zensurliste” für einschlägige Internetadressen veröffentlicht wurde, die in etwa so up to date ist wie ein Telefonbuch von 1984.

So drückte es ein Kommentator im Schutzalter Blog (der besagten verlinkten Website) aus:

Solche absurden Begründungen kannte ich bisher nur aus dem DDR Strafrecht: “Da davon auszugehen ist, dass sich [der/die] Beschuldigte vor Verlinkung des Artikels dessen Informationsgehalt zu Eigen gemacht hat, ist ebenso wahrscheinlich, dass [er/sie] sich durch diesen Vorgang die Informationen der Internetseite und somit auch kinderpornographisches Material zumindest im Cache [seines/ihres] Computers gespeichert hat,”

Gehen Grundrechte auf Informationsfreiheit eigentlich irgendwann kaputt, wenn der Staat sie nur lange genug mit Füßen tritt? In meiner Ausgabe des Grundgesetzes steht jedenfalls noch:

Artikel 5 [Freiheit der Meinungsäußerung (...)]

(1) Ein Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. (…) Eine Zensur findet nicht statt.

Kein direkter Link, da Angst (es wäre der verfolgte Original-Link!): Erster Treffer bei Google

via lawblog (hoffentlich wird man ab dem dritten Link zum Link nicht mehr gehenkt… aber auf das lawblog hatte ich vielleicht schon verlinkt, dann ist es auch egal)

Manch weitere nachdenkliche Stunde wert ist ein Brief eines Insiders der Kinderpornoszene, der im selben Blog am Vortag verlinkt wurde (Lektüre dauert ca. 30 Minuten):  Erster Treffer bei Google