Mein gremienfreier Mittwoch

Seit einer Woche ist das 39. StuPa der TU Kaiserslautern Geschichte, und ich bin nicht wenig froh, dass andere diese Arbeit nun fortsetzen. Es waren in vieler Hinsicht zwei interessante und lehrreiche Jahre im “beschlussfassenden Gremium der Studierendenschaft”. Dennoch ging mir die gesamte Einrichtung irgendwann schrecklich auf die Nerven: 17 Leute entscheiden gemeinschaftlich, was ein knappes Dutzend andere Leute zu tun und zu lassen haben. Jeder kleine Punkt wird ellenlang ausgewalzt und man verliert sich ständig in Detailfragen. Das ist derartig ineffizient, dass ich es nicht mehr mit meinem Streben nach Effizienz, überhaupt Effektivität und kluger Organisation vereinbaren konnte.

In meinem Assessment Center der sdw in Berlin wurde ich gefragt, was ich später einmal machen wolle. Ich sagte, entweder Berufspolitik oder Unternehmertum. Die Antwort war, dass mich das noch einige schlaflose Nächte kosten werde. Und so kam es dann auch, aber in Form nicht enden wollender StuPa-Sitzungen. Jetzt, da ich mich gegen die Berufspolitik entschieden habe, haben diese Nächte auch ein Ende!

Bislang 4 Kommentare

  1. tanine 19. Februar 2010 17:06

    Die wunderschöne Gremienlandschaft Deutschland. Den einen schreckt es ab, der andere möchte es besser machen.. und bleibt entweder hartnäckig dabei oder entscheidet sich dann doch dagegen.

    Ich kann deine Entscheidung verstehen, die Konsequenz dessen bzw. vieler Menschen, die so entscheiden, ist nur leider, dass zuhäufigst die fähigsten Köpfe in unserer Gesellschaft in die Wirtschaft gehen und in die Politik.. nun, ja (ein ähnliches Problem besteht bekanntermaßen auch im Bereich Lehramt).

    Die Ursache dessen gilt es allerdings zu hinterfragen, gerade da es häufig genug Gegenbeispiele gab, die zeigten, dass es dann doch effektiver geht und ginge. Liegt es an Ordnungen, Leitungen, ausschließlich Einzelpersonen oder dem Gefüge eines Gremiums im Gesamten?

    lg

  2. Manuel 19. Februar 2010 20:30

    Definitiv letzteres. Wenn 17 Menschen – grundsätzlich immer im Gesamtgremium – die beste Entscheidung treffen wollen, müssten sich nicht nur theoretisch alle mit allen Themen befassen, sondern auch noch ihre Eindrücke überzeugend den anderen vermitteln, dabei ggf. als Shortcut Politik im Sinne von Mehrheitenbeschaffung betreiben. Das ist einfach nicht effizient! Und außerdem reine Theorie, denn StuParianer interessieren sich nicht notwendigerweise für die Themen, die sie bearbeiten, und sind gar nicht so gut informiert. Demokratische Gremien und Effizienz gehen eben schlecht zusammen, und der Mensch kommt als Schwachstelle noch dazu. Das ist das Problem.

  3. Jan 22. Februar 2010 16:19

    Aus diesem Grund gibt es in Deutschland ja auch das Parteiensystem: Niemand kann Experte für alles sein und Parteien bündeln Positionen zu verschiedensten Themen und stellen sicher, dass an den Diskussionen die Experten teilnehmen, die etwas beitragen können.

    Am Ende muss dann allerdings das Vertrauen in die einzelnen Experten existieren, damit die Parteimitglieder bzw. stimmberechtigten gewählten Vertreter en Block eine Position vertreten.

    In studentischen Gremien klappt das mit dem Vertrauen leider überhaupt nicht – wie die Vergangenheit oft genug gezeigt hat.

  4. Manuel 22. Februar 2010 20:47

    Du hast Recht, im Bundestag etc. läuft es anders ab – eben wie in einem modernen Arbeitsparlament, wie fast überall auf der Welt. Man hat inzwischen verstanden, dass man nicht 600 Leute zugleich über alle Themen debattieren lassen kann. Es wäre klüger, wenn sich das StuPa ebenfalls so organisieren würde. Ich denke auch nicht, dass das LHG (Landeshochschulgesetz) dem etwas entgegenstellt, aber du kennst dich da besser aus. Aber es scheitert eben am Vertrauen, und an dem häufigen Turnover der Mitglieder und damit dem Wissensverlust. Kaum ist man eingearbeitet, verlässt man das Gremium ja schon wieder.

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