Ein gigantischer Laufstall

Heute war ich im Wald und habe ein Feuer gemacht. Ich war an einer Lichtung direkt hinter dem Uniwohngebiet, in dem auch ich wohne. Die Feuerstelle (mit Steinkreis und zwei massiven Bänken) hatte ich am Sonntag bei einer kleinen Wanderung mit meiner Freundin Anke bereits in Gebrauch genommen.

Kaum hatte ich aber meinen kleinen Scheiterhaufen entzündet (es bereitet mir Freude, im Wald aufzuräumen und altes Holz zu vernichten), kamen gleich zweimal ältere Herrschaften vorbei und erwiderten meine Begrüßung mit “Sie wissen schon, dass das verboten ist.” – Schon klar, ich hätte es mir ja auch denken können. Es macht Spaß, es kostet nichts, da muss ein Haken sein. Mein Feuer war weder besonders groß, noch waren die jungen Äste des nahen Baumes geeignet, deswegen in Flammen aufzugehen. Eine volle Flasche Wasser hatte ich außerdem zum Löschen mitgenommen. Aber weil es so viele dumme Leute gibt, hat man wohl offene Feuer im Umkreis von 50 Metern (!) des nächsten Baumes verboten. In einem Anflug von Bescheidenheit hat man sich auf die Zeit von März bis Oktober beschränkt.

Ich will hier nicht auf dieser konkreten Regel herumhacken, sondern auf dem übergreifenden Prinzip: In Deutschland wird generell der maximal dämliche Bürger zum Maßstab von Regelungen gemacht. Und das führt dazu, dass sich der jeweilige Rest der Bevölkerung vorkommen muss wie in einem großen Laufstall. Wäre es nicht besser, wenn nicht jeder beliebige Zwischenfall des Lebens vorreguliert wäre? Gibt es überhaupt noch Bereiche des Lebens, in denen sich der Gesetzgeber nicht schon breit gemacht hat?

So oft in meinem Leben durfte ich mir anhören, dass dies nicht gehe oder das verboten sei. Als Kind war das bestimmt auch manchmal angemessen. Aber es ist doch traurig, dass man nun als Erwachsener nicht etwa mehr Gestaltungsfreiheit hat, sondern der Unterschied zum Kind nur darin besteht, dass man sich an die beengten Verhältnisse gewöhnt hat! Mir graut es schon vor meinem ersten Hausbau, das wird so traurig.

1+1=3: Persönlichkeitsbildung an der Universität?

Ein Kommentar über extracurriculares Engagement, allseitige Bildung an der Universität und die Gründe, als Student oder Assistent seine Zeit in eine Hochschulgruppe zu investieren [eingereicht als Leserbeitrag zu den Publikationen an der TU Kaiserslautern]

Sich neben dem Studium ehrenamtlich an der Universität zu engagieren, hat in unserem Land insbesondere im Bereich der Völkerverständigung, der Musik, des politischen Nachwuchses oder auch der Ingenieursverbände eine gewisse Tradition. In den letzten Jahrzehnten hat sich das Spektrum des Angebots noch einmal deutlich vergrößert, z. B. durch Debattierclubs oder studentisches Consulting.

Es mag verschiedene Motive geben, seine Zeit für eine Hochschulgruppe aufzuwenden. Vom reinen Idealismus, etwas Gutes zu bewirken, über die Freude an einer gemeinsamen Aktivität bis hin zur Vorbereitung der eigenen beruflichen Karriere sind sie alle in meinen Augen legitim. (Jedenfalls so lange, wie ein Posten mit Leben erfüllt wird und nicht den einzigen Zweck hat, gut im Lebenslauf auszusehen.) (Vgl. auch Ludwig Merker: Engagement, Studienerfolg und Berufserfolg, Dissertation, Bayreuth 2009; Volltext im Internet verfügbar)

Ganz essentiell ist das Engagement neben dem Studium z. B. in den USA, wo eine Vielzahl an solchen Aktivitäten das Leben auf dem Campus abwechslungsreich und spannend gestaltet. Eine amerikanische Top-Universität wäre nicht vorstellbar ohne diesen integralen Bestandteil der Ausbildung. Ebenso wichtig wie das fachliche Studium ist dort, dass man seine Persönlichkeit während des Studiums fortentwickelt – auch weil das Studieneintrittsalter deutlich unter dem deutschen liegt, somit also noch viel Entwicklungspotential besteht. Mit anderen Worten: Freshmen (Studienanfänger) sollen dort Zeit und Gelegenheit haben,  um von einer fruchtbaren Atmosphäre zu profitieren und eine allseitig (!) gebildete Persönlichkeit zu entwickeln.

Was die Amerikaner können, können wir schon lange, dachte man sich hierzulande also und hat begonnen, Soft-Skills-Veranstaltungen in manche neuen Curricula zu integrieren. Jedoch ist es ungewiss, welche Inhalte eines im ersten oder zweiten Semester belegten Kurses nach dem Ende des Studiums noch präsent sind. Wie man hört, sollen an manchen anderen Universitäten Soft Skills gar über Vorlesungen vermittelt werden (!) – ein äußerst fragwürdiger, wenn nicht unsinniger Ansatz.

Halten wir also zunächst fest: Selbst ein durchdachtes und mit viel Einsatz umgesetztes Lehrkonzept im Bereich Soft Skills, wie am FB WiWi der TU KL, kann nur einen geringen langfristigen Nutzen für den einzelnen Studenten haben, sofern zwei (immerhin) verpflichtende Workshops einziger Kontakt mit Soft Skills in seinem Studium bleiben. Die tatsächliche Umsetzung dieses Wissens kann nicht in Form von Workshops geschehen – die Kenntnisse müssen extracurricular zur Anwendung kommen. Hier schließt sich der Kreis: Wer das realisiert, kommt an den Hochschulgruppen als Trägern eines permanenten Lernprozesses für Soft Skills (und Schlüsselkompetenzen allgemein) überhaupt nicht vorbei.

Dennoch scheint es, dass das Bekenntnis zur Persönlichkeitsbildung an der TU KL mit der Einbeziehung eben jener Workshops in das Curriculum der B.Sc. am FB WiWi auch schon seine Grenze erreicht hat. Anreize für Engagement werden darüber hinaus nicht gesetzt; eine institutionelle Würdigung für (besonderes) Engagement seitens der Universität ist ebenfalls nicht erkennbar; von einer Anerkennung der ungezählten lehrreichen Arbeitsstunden als fachlicher Leistung ist ganz zu schweigen. Allein der gremienfreie Mittwochnachmittag ist lange schon Geschichte.

Dem zum Trotz haben viele Studierende für sich erkannt, dass sie selbst enorme Vorteile von einem Engagement an der Hochschule haben – auch ohne, dass die TU KL ihnen dafür den roten Teppich auslegte. Einerseits ist dies die Gewissheit, sich für eine bestimmte Idee oder Vision eingesetzt zu haben und dem Ziel, gerade als Team, einen Schritt näher gekommen zu sein. Diese Erfahrung alleine kann ich jedem nur wünschen. Aber das ist bei weitem nicht alles! Viel wichtiger noch, und nach meinem Eindruck extrem unterschätzt, ist die erwähnte Fortentwicklung der eigenen Persönlichkeit: Denn nicht nur amerikanische Studenten haben dafür einen Bedarf. Die Entwicklung der sog. Schlüsselqualifikationen wie Selbst- und Sozialkompetenz durch Engagement ist zwar kaum planbar; ferner korreliert die Erkenntnis ihrer Notwendigkeit meiner Erfahrung nach mit ihrem Vorhandensein (es handelt sich also um ein Henne-Ei-Problem). Gerade aus diesen Gründen aber möchte ich diesen Vorzug eines aktiven Engagements besonders betonen und jedermann ins Bewusstsein rufen.

Es lohnt sich also, sein Studium und sein Leben frühzeitig und dauerhaft mit einem oder mehreren Engagements zu bereichern. Dies ist mithin Ursprung einer aktiven Bürgergesellschaft – einem wichtigen Bestandteil reifer Demokratien, der selbst in der EU keine Selbstverständlichkeit ist, obgleich essentiell für den inneren Frieden in einem Land. Memento Ungarn, wo niemand sich gegen den erstarkenden Rechtsextremismus auflehnt!

Überspitzt formuliert, mein Schlusswort: Während mancher Kommilitone auf dem persönlichen Entwicklungsstand eines Schülers, d. h. Kindes verharrt (im „besten“ Fall vor dem Lehrstoff, ansonsten z. B. vor dem Fernseher oder dem Spiel „World of Warcraft“ am PC), setzen andere ihre Zeit gewinnbringend ein. Niemand kann zu seinem Glück gezwungen werden. Jedoch kann ich jedem nur ans Herz legen, sich darüber klar zu werden, worauf er einmal mit seinem Diplom-/M.Sc./B.Sc-Zeugnis in der Hand zurücksehen will. Die vielen Chancen der Studienzeit kommen nicht wieder. Es liegt in eurer Hand!

Informationsbulimie, die Zweite

Soooo. Soooooo! Die ZEIT sagt es, wie es ist. Meine Rede.

(Abseitige Ergänzung: Um mir angemessen beizupflichten, hat sich das Kleinkind in der Wohnung über mir kräftig auf den Boden knallen lassen. Jetzt heult es, mal wieder. Und wir sind LIVE dabei… wichtige Neuigkeit, nicht wahr? Tjaja…)

Einfach nur genial

Diese Maschine macht aus 40 Seiten Altpapier jeweils eine Rolle Klopapier. Genial, oder?

Nachtrag: Wenn ich so darüber nachdenke, vielleicht doch nur genial in Ländern, wo der Müll einfach zusammengekippt und verbrannt wird, anstatt wie im sauberen Deutschland getrennt und sachgerecht verwertet (…zu Klopapier verarbeitet) zu werden.

Gut, also im ganzen Rest der Welt! Spitze!

Amazon vs. eBay

Seit ich realisiert hatte, dass ich zu viel Ramsch in meinem kleinen Zimmer aufbewahre, wollte ich das Zeug eigentlich verkaufen – aber bei eBay ist nie klar, was der Markt gerade sagt, gerade bei halbwegs neuwertigen Artikeln ein Risiko. Außerdem ist deren Reputation nicht mehr so besonders. Seit Amazon.de aber seinen Marketplace auch für private Verkäufer geöffnet hat (ist lange her), kann man sich mit seinen Dingen in Wartestellung begeben und selbst einen Preis angeben. Die Angebote kann man in Sekunden einstellen, und sie bleiben so lange online, bis jemand kauft. Man kann einfach und schnell Preis und Beschreibung ändern und die Konkurrenz unterbieten, wenn es einem zu lange dauert.

Neben dem kalkulierbaren Preis hat das noch einen weiteren Vorteil: Das Angebot erscheint direkt neben der wunderbar ausgearbeiteten Produktseite von Amazon selbst! Das bedeutet nach meiner laienpsychologischen Auffassung: Man kann einen Teil der Reputation von Amazon auf sich “umleiten”. Das funktioniert bei allen Dingen, die standardisiert sind, wie Büchern oder Markenprodukten unterschiedlichster Art. Die CD-Sammlung und das gebrauchte Hantelset gehen dagegen nur über eBay, denn eigene Angebote kann man bei Amazon nicht kreieren. Das finde ich eine gute Marktaufteilung zwischen den beiden Internetgiganten. Vielleicht geht die Neuwarenschwemme bei eBay dadurch auch zurück – und es wird wieder das, was es einmal war und besser kann.

Zombie

Gestern war mal wieder Klausur, danach habe ich erstmal einen Tag Pause gemacht. Ab heute muss ich einen Monat lang Biochemie lernen. Für nichts und wieder nichts, ich brauche es nicht, kaum jemand interessiert sich dafür, aber so ist unser Curriculum. Das Problem ist nicht, dass es nicht machbar wäre, sondern, dass es sinnentleert ist. Bis man soweit ist, dass einem das nichts ausmacht, ist man schon zum perfekten werktätigen Zombie geworden. Immerhin, mein Geist wehrt sich noch.

Manchmal zweifle ich schon am Konzept dieses Studiengangs. Auch wenn das meiste interessant und lehrreich ist, aber man kann ja gar nicht anders, als immer die wichtigsten Sachen vor der Klausur auswendig zu lernen, weil es so viel ist. Ich kenne keinen, der anderes von sich behauptet. Doch da können einem Ø12,5 Semester ziemlich lang werden.

Anyway, I’m counting: Noch 7 Klausuren bis zur Scheinfreiheit.

Nein, nicht wirklich

Der Verhaltensökonom Dan Ariely, Autor des Buches Predictably Irrational, hält eine wunderbare Präsentation zum Thema “Können wir frei entscheiden?” – seine Antwort auf das wissenschaftliche Konzept vom Homo Oeconomicus, dem perfekt rationalen Entscheider.

via Kolja Hebenstreit.

Wie man mit viel Geld Armut vermehrt

Bitte, nehmt euch ein paar Minuten Zeit und lest dieses Essay. Der Autor erklärt, warum dauerhaft existenzgarantierende Sozialhilfe bittere Folgen für einen Staat hat, weil sie für eine ganze Schicht die ökonomisch beste Wahl ist. Gefunden beim Antibürokratieteam.

Mein gremienfreier Mittwoch

Seit einer Woche ist das 39. StuPa der TU Kaiserslautern Geschichte, und ich bin nicht wenig froh, dass andere diese Arbeit nun fortsetzen. Es waren in vieler Hinsicht zwei interessante und lehrreiche Jahre im “beschlussfassenden Gremium der Studierendenschaft”. Dennoch ging mir die gesamte Einrichtung irgendwann schrecklich auf die Nerven: 17 Leute entscheiden gemeinschaftlich, was ein knappes Dutzend andere Leute zu tun und zu lassen haben. Jeder kleine Punkt wird ellenlang ausgewalzt und man verliert sich ständig in Detailfragen. Das ist derartig ineffizient, dass ich es nicht mehr mit meinem Streben nach Effizienz, überhaupt Effektivität und kluger Organisation vereinbaren konnte.

In meinem Assessment Center der sdw in Berlin wurde ich gefragt, was ich später einmal machen wolle. Ich sagte, entweder Berufspolitik oder Unternehmertum. Die Antwort war, dass mich das noch einige schlaflose Nächte kosten werde. Und so kam es dann auch, aber in Form nicht enden wollender StuPa-Sitzungen. Jetzt, da ich mich gegen die Berufspolitik entschieden habe, haben diese Nächte auch ein Ende!

Wer braucht das zu wissen?

Als Teenager habe ich eine Zeitlang stundenlang n-tv geschaut, im Wesentlichen zum Selbstzweck, um u. a. die aktuellen Börsenkurse im durchlaufenden Ticker zu lesen. Waren die Zahlen grün, freute ich mich. Das alles gab mir ein Gefühl, wichtig zu sein und an der Welt teilzuhaben. Natürlich war es sinnlos.

Was mir bis vor einigen Wochen davon blieb, war ein generelles Interesse am Tagesgeschehen (noch eher am Wochengeschehen -> DIE ZEIT), bei gleichzeitig steigender Zahl an Themen, die mir zum Halse heraushingen. Das Buch “4-Hour Work Week” hat mir endlich die Augen geöffnet und mich in einem sehr subtilen Gefühl bestätigt, das ich schon seit einiger Zeit hatte.

Most information is time-consuming, negative, irrelevant to your goals and outside of your influence.

Bürger und Medienkonsumenten werden mit überflüssigen Nachrichten wie Gänse gestopft. Zeitungen, Fernsehsender, Internetportale, Radio, sogar Infomonitore in meinem Fitnessstudio versorgen mich mit Neuigkeiten, die mich weder etwas angehen, noch je mehr als Unterhaltungswert besitzen (meistens sind sie langweilig), und an denen ich darüber hinaus ohnehin nichts ändern kann. Also ist es doch konsequent, wenn mich das alles nicht mehr interessiert. Es gibt Menschen, deren Beruf es ist, sich um das alles zu kümmern. Denen kann und braucht man nicht ins Handwerk zu pfuschen.

Ich könnte versuchen, zu verstehen, warum so viele Menschen es wichtig finden, über all diesen Quatsch Bescheid zu wissen. Warum es sie interessiert, dass in Malaysia eine Fähre gekentert ist, aber nicht, dass in Deutschland Kinder zu fantasielosen kleinen Konsumenten erzogen werden und so weiter. Vielleicht, um wenigstens immer wieder etwas Neues zu sehen, wenn man es doch eh nicht ändern kann.

Aber andererseits: Mach doch was du willst, Rest der Menschheit. Mit der gewonnenen Zeit kann ich stattdessen andere, nutzbringendere Dinge anstellen. Manche Menschen folgen ihren Träumen, während der Rest einfach das Unglück anderer Menschen bzw. ihrer selbst verfolgt. Weil ich lieber zur ersten Gruppe gehören will, verzichte daher darauf, mich von dem niemals endenden Fluss von Hiobsbotschaften noch länger mitreißen zu lassen. Überhaupt glaube ich, dass die ewige schlechte Stimmung im Land auch daher rührt, dass die Nachrichten nur von sachlichen Themen (in der Hauptsache Politik, und da ist im Zweifel jeder dagegen) und per se schlechten Dingen (85 Tote bei XY) handeln. Da muss man ja irgendwann schlechte Laune bekommen. Wenn z. B. die “Wirtschaftskrise” stattdessen als Chance promotet würde, sein altes, mieses Unternehmen zu verlassen und etwas Sinnstiftendes zu tun, das man sein Leben lang aufgeschoben hat – wie anders könnten die Menschen darüber denken!

Summa summarum: Lasst euch nicht von operativen Details den Kopf wirr machen. Abstand halten hilft. Mir ist es zum Beispiel egal, was Westerwelle wieder gesagt hat und was Seehofer wieder darauf geantwortet hat. Liberal bin ich trotzdem, auch wenn die FDP mit einer Energie am eigenen Stuhl sägt, dass man es kaum glauben mag. Doch das ist eine andere Geschichte.

Nachtrag: Jede Menge anderer Geschichten – und sehr gut geschrieben dazu – kann man beim Antibürokratieteam lesen. Das ist auch für mich einfacher, als selbst zu schreiben. :) Wollte auch mal wieder drauf hinweisen.